Museumsköpfe: "Wir bringen die Literatur zu den Leuten"

24.10.2020 Sara Hirschmüller

Foto: Meike Reiners

Autorin: Anna Pettenpohl (stud. Volontärin Kunstvermittlung)

Wie lange arbeiten Sie schon im Museum und was haben Sie vorher gelernt?

Ich arbeite seit Oktober 1995 in der Bibliothek des LWL Museums. Vor 25 Jahren war das meine erste Arbeitsstelle nach dem Studium und seitdem bin ich hier. Gelernt habe ich an der Fachhochschule und darf mich Diplom Bibliothekar für wissenschaftliche Bibliotheken nennen.

Was sind Ihre Aufgaben hier in der Bibliothek?

Im weitesten Sinne Bibliotheksverwaltung. Im Prinzip geht es immer darum, Wissen so zu organisieren, dass man es auch einfach wiederfindet. Wir haben eine große Bibliothek mit rund 150.000 Bänden, da ist die Organisation schon eine enorme Aufgabe. Nach 25 Jahren Berufserfahrung kann ich behaupten, dass die Arbeit sehr viel einfacher geworden ist, da viele Bücher über die Datenbanken im Internet zu finden sind. Doch auch die Detektivarbeit gehört zu meinen Tätigkeiten. Denn wir bringen die Literatur zu den Leuten, die diese bewusst oder auch manchmal unbewusst suchen. Etwas schwierig sind allerdings Anfragen wie: ‚Ich such ein rotes Buch aus den 80er Jahren‘. Um auch solchen Anfragen gerecht zu werden, gehört die gute Vorarbeit der Katalogisierung der einzelnen Bücher zu unseren Aufgaben. Deshalb müssen wir auch sehr gut querlesen können, damit wir sogenannte Schlagwörter für jedes Buch festlegen können. Dadurch können die Bibliotheksbesucher:innen leichter das Buch im OPAC finden. Deshalb wählen wir möglichst enge Begriffe, die den Titel eines Buches in fünf Wörter erfassen können.

Welchen Schwerpunkt hat die Museumsbibliothek?

Wir haben neue, aktuelle Literatur, aber auch Bücher die 200 Jahre oder älter sind. Unser ältestes Buch ist sogar von 850, also 1200 Jahre alt. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf Bänden von Museumssammlungen. Da wir für neue Ausstellungsthemen immer die passende Literatur zusammenstellen. Es kommt jedoch auch darauf an, was die Bibliotheken in unserer näheren Umgebung für einen Bestand haben. Zum Beispiel besitzt die Kunsthistorische-Bibliothek der Uni Münster viele Werke zur Italienischen Kunst. Daher haben wir dazu eher weniger Bücher. Es macht deshalb Sinn sich untereinander abzusprechen. Denn das Geld ist immer zu knapp, um jedes Buch zu kaufen, da ist eine thematische Konzentration wichtig und auch der Lagerplatz findet irgendwann ein Ende.

Wie findet man denn die passenden Bücher für die neuen Ausstellungsthemen?

Zunächst gucken wir, was wir schon in unseren Beständen haben. Eventuell hatten andere Museen bereits ein ähnliches Thema und einen passenden Ausstellungskatalog dafür, den wir dann erwerben können. Hinzu kommt dass die Kuratoren:innen selbst schon einiges an Titel gesammelt haben, die wir dann passend erwerben können. Mit der Ausstellung an sich haben wir dabei weniger Berührungspunkte.

Wie sieht es bei so vielen Büchern mit den Lagerkapazitäten aus?

Als wir 2014 in den Neubau gezogen sind haben wir unsere Regale gemessen, das erzähl ich auch immer auf meinen Führungen durch die Bibliothek. Wir hatten rund 3.800 Regalmeter Bücher und unten stehen uns 4.200 Meter an Regalfläche zur Verfügung. Interessant ist, dass die Promenade von Münster ungefähr 4.500 Meter lang ist. Somit könnten wir die Promenade mit unserer Regalfläche vollstellen. Dabei kommt immer mehr dazu! Das ist auch das Besondere unserer Bibliothek, denn es ist eine Archivbibliothek. Sprich was wir einmal eingearbeitet haben, bleibt auch bei uns.

Wie sieht die Lagerung für so wertvolle Bücher aus?

Es gibt vorgeschriebene Klimawerte für das Magazin, die wir im Neubau optimal einhalten können. Das Magazin ist klimatisiert und kann genau die Luftfeuchtigkeit regulieren. Doch halten Bücher viel aus und sind weniger empfindlich als die Gemälde in der Ausstellung. Natürlich können tausend Jahre alte Bücher zerbröseln oder Schädlingsbefall haben. Dafür gibt es dann die Buchrestauratoren, die dann sagen, wenn die Buchmalerei des 14. Jahrhunderts nicht mehr ausgeliehen werden darf, weil die Malerei darunter leiden würde.

Was ist Ihr Lieblingsbuch unter den Büchern in der Museumsbibliothek?

Das besondere an unserer Sammlung ist, dass wir auch die ganz alten Bücher besitzen, die eher Objekte als Literatur sind. In diesen Fällen ist das Buch eher ein Museumsobjekt als ein Buch. Dann haben wir auch noch sehr wertvolle Bücher zum Beispiel das Stundenbuch der Katharina von Lochhorst eine Buchmalerei von 1400. Dieses Werk wird im Millionenbereich versichert, wenn es unterwegs ist. Doch mein Lieblingsbuch ist eigentlich ein Zufallsfund. Es ist ein Druck aus dem 17. Jahrhundert, welches um 1600 ein Schutzumschlag aus einem alten Pergament erhielt. Dieses Pergament ist ungefähr von 800-1100 von Hand beschrieben worden und so alt wie unser ältestes Buch.

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Kategorie: Museumsköpfe