Selbstgemachtes: Buchbinden

06.03.2021 Sara Hirschmüller

Von Blättern zu Büchern

Autorin: Lioba Knape (Mitarbeiterin Kunstvermittlung)

Bücher erzählen Geschichten – nicht nur auf ihren Inhalt bezogen! Sie sind auch Zeitzeugnisse und Kulturgutträger. Der sogenannte Kodex ist die uns wohl geläufigste Buchform. Die Papierlagen sind am Buchrücken zusammengefügt.

Bücher bestanden keineswegs immer aus einzelnen Papierbogen: Ihnen gehen beispielsweise als Beschreibstoff wiederverwendbare Wachstafeln voraus. Einfache Bücher oder Hefte aus gefaltetem Papyrus waren noch nicht mit einem Einband versehen und bestanden oft nur aus wenigen Seiten. Pergament eignete sich auch für Bücher aus gefalteten, aufeinander geschichteten und miteinander verbundenen Lagen. Diese bis heute fortbestehende Buchform verdrängte die der antiken Schriftrolle.

In der vielseitigen Buchgestalt(ung) spiegeln sich Erfindungen wider, z. B. die des Buchdrucks mit auswechselbaren Lettern Mitte des 15. Jahrhunderts. Gedruckte Bücher lösten so die im Skriptorium eines Klosters von Nonnen und Mönchen angefertigten Handschriften ab.

Eine weitere Errungenschaft um 1800 ist die Erfindung der Papiermaschine. Der knapp gewordene Papierrohstoff „Lumpen“ wurde erfolgreich durch Holzfasern ersetzt.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelt sich im Zuge der Industrialisierung auch die Buchbinderei vom Handwerk zum maschinellen Verfahren. Dies beeinflusste die Konstruktion und den Aufbau von Büchern sowie die verwendeten Materialien. Der Faden, der die Blätter zusammenhielt, wurde durch Klammern ersetzt. In den späten 1930er Jahren wurde die Klebebindung erfunden und patentiert. Diese Art der Bindung kann sowohl maschinell als auch manuell erfolgen.

Foto: Lioba Knape

Ein Heft entsteht – die Fadenheftung

Die Anzahl der Punkte bzw. Löcher ist vom Buchformat abhängig. Für unser Heft im DIN-A5-Format nutzen wir die Drei-Punkt-Bindung.

Materialien

  • Normalpapier, z. B. 4  DIN A4 Bogen
  • 1 Blatt stärkeren Papiers im damit identisches Format für die Schablone
  • Falzbein (ersatzweise: Geodreieck, Lineal, stumpfes Messer o. ä.)
  • Bleistift
  • Lineal
  • Ahle (ersatzweise Prickelnadel, Pinnwandnadel o. ä.)
  • Buchbindegarn oder Zwirn
  • Schere
  • stumpfe Nadel (mit großem Öhr)
  • Filzmatte oder Küchenhandtuch als Unterlage
  • ggf. ein zusätzliches Blatt als Umschlag, z. B. aus Kraftpapier
Foto: Lioba Knape

1. Papier falzen

  • jeden Bogen im Querformat mittig falzen

2. Lage zusammenstellen

  • 4 Bogen zu einer Lage ineinanderlegen
  • ggf. zusätzlich Bogen für den Umschlag
Foto: Lioba Knape

3. Schablone herstellen

  • stärkeres Blatt ebenfalls mittig falzen, Falzmitte (durch Ausmessen oder mittigen Knick) ermitteln
  • vom Mittelpunkt (liegt hier bei 10,5 cm) mit gleichem Abstand zwei Markierungen setzen (hier 5 cm)

4. Löcher vorstechen

  • Schablone passgenau auf die aufgeschlagene Lage legen (Falz auf Falz)
  • mittels Ahle die Löcher für die Lagen stechen
Foto: Lioba Knape

5. Lage zusammenheften

  • Nadel mit Faden von außen durch das mittlere Loch nach innen führen
  • Nadel durch eins der seitlichen Löcher von innen nach außen führen
  • Nadel von außen durch das noch freie Loch nach innen führen
  • Nadel von innen durch das mittlere Loch nach außen führen
  • Fadenenden außen verknoten

 

Hinweis:

Bei einem an den Rändern nach innen gefalteten Umschlag (hier aus braunem Kraftpapier) müssen die innen liegenden Bogen schmaler als der Bogen für den Umschlag sein!

Foto: Lioba Knape

Blockheftung

 

Eine andere Möglichkeit, um einzelne Blätter miteinander zu verbinden, ist die Blockheftung.
Diese eignet sich besonders gut, wenn das Papier schon beschrieben wurde. Auch eine lose Skizzensammlung lässt sich so zusammenführen, wenn die einzelnen Seiten ein einheitliches Format haben oder darauf zugeschnitten werden.


Japanische Bindung

 

Japanische Blockbücher haben eine lange Tradition. Hier können einzelne oder gefalzte Blätter aufeinander gelegt werden, sie werden nicht zur Lage zusammengefasst. Ein weiterer Unetrschied besteht darin, dass über den Buchrücken hinaus auch Kopf und Fuß eingefasst werden.

Materialien

  • Normalpapier, z. B. DIN A4 (hier Kraftpapier)
  • zusätzlich ein einfaches Blatt Papier für die Schablone
  • Falzbein (ersatzweise: Geodreieck, Lineal, stumpfes Messer o. ä.)
  • Bleistift
  • Lineal
  • Klammer, Wäscheklammern o. ä.
  • Ahle (ersatzweise Prickelnadel, Pinnwandnadel o. ä.)
  • ggf. Lochzange, Bohrer o. ä.
  • Buchbindegarn oder Zwirn (Richtwert: etwa die 5-fache Länge von der zu schmalen Seite des gewählten Formats, hier ca. 1 m)
  • Schere
  • stumpfe Nadel (mit großem Öhr)
  • Filzmatte oder Küchenhandtuch als Unterlage
Foto: Lioba Knape

1. Schablone herstellen

a) Falttechnik

  • Papier an der kurzen Seite zunächst mittig falzen, dann die Längsseiten zur Mitte falzen, so dass vier Längsbereiche entstehen
  • Papier herumdrehen, so dass beim folgenden Halbieren der Zwischenbereiche eine Zick-Zack-Faltung entsteht

b) Rechenweg

  • Formatbreite der schmalen Seite ausmessen
  • Abstände ausrechnen: Angabe durch acht teilen
Foto: Lioba Knape

2. Markierungen setzen

  • mittels Lineal vier Markierungen setzen

→ idealerweise entspricht dabei der Abstand von der schmalen Seite dem Abstand der Achtel-Aufteilung (hier: ca. 2,6 cm), mittels Eck-Knick zum Dreieck überprüfbar

3. Löcher vorstechen

  • Schablone auflegen (Hilfsmittel: Klammer/Wäscheklammern, alternativ: beschweren)
  • mittels Ahle Löcher durch die Bogen stechen

→ bei vielen Seiten oder dickem Papier nach und nach oder stärkere Mittel nutzen

Foto: Lioba Knape

4. Bogen zusammenbinden

  • mittig innen beginnen, denn der Knoten der Fadenenden soll verdeckt sein
  • Nadel nur zur Hälfte des Blocks durch eines der mittleren Löcher führen, anschließend noch einmal am Buchrücken entlang durch den gesamten Bogenstapel
  • am Buchdeckel entlang zum nächsten Loch und einmal hindurch, dann am Buchrücken entlang und erneut durch dasselbe Loch führen
  • Nadel auf der Buchrückseite am Buchdeckel entlang zum daneben gelegenen äußeren Loch und zweimal hindurchführen
  • Nadel an der Längsseite hindurch erneut durch dasselbe Loch führen
  • abwechselnd Vorder- und Rückseite der Buchdeckel miteinander verbinden
  • Schritte wie beim anderen äußeren Loch wiederholen
  • Nadel zum Anfangspunkt führen
  • prüfen, ob ein einheitliches Fadenbild entstanden ist
  • Fadenenden verknoten
  • Garn/Zwirn abschneiden

 

Tipp: Die Löcher können auch auch in anderen Abständen gesetzt werden. Dadurch ergeben sich unterschiedliche schmuckvolle Muster!

Das waren zwei Arten von Buchbindetechniken, die relativ einfach herzustellen sind und bei denen man vor allem ohne spezielle Materialien aus dem Fachhandel auskommt.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

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Kategorie: Selbstgemachtes