Selbstgemachtes: Handlettering

23.01.2021 Sara Hirschmüller

Autorin: Jenny Volkmer (Mitarbeiterin Kunstvermittlung)

Am 23. Januar ist der Tag Handschrift. Aber welchen Stellenwert oder welche Bedeutung hat die Handschrift noch in unserem zunehmend digitaler werdenden Alltag. Einige kenn noch das Fach „Schönschrift“ aus der Grundschule, aber gerade seit der Entwicklung des Computers und der Smartphones, die zu unseren täglichen Begleitern geworden sind, schreiben wir den Großteil unserer Nachrichten, privat oder beruflich, digital. Die Handschrift wurde immer wieder im Laufe der Jahrhunderte von verschiedensten Entwicklungen und Erfindungen Stück für Stück verdrängt und trotzdem gibt es sie noch immer.  Vom handwerklichen Gravieren der Keilschrift oder Inschriften in der Antike, über die bildnerisch-malerischen Hieroglyphen an Wänden oder auf Papyrusrollen, hin zu den Handschriften des Mittelalters, den wertvoll ausgeschmückten Codexes, basierte das „Schreiben“ immer auf einer handwerklich-motorischen Ausführung mit den Händen. Durch die Erfindungen des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, den Telegraphen, den Schreibmaschinen und heutzutage durch Computer und Handys wird der handwerkliche Aufwand für das Setzen bzw. Schreiben von Schrift immer weiter minimiert. Vom sogenannten „Setzen“ der Lettern im Buchtdruck leitet sich auch das Lettering ab.

Seit einigen Jahren erfreut sich jedoch das Handlettering, also das Gestalten von Schriftzügen per Hand immer größerer Beliebtheit.

Was genau ist Handlettering?

HAND-LETTERING meint das Zeichnen und Gestalten von Buchstaben und Schriftzügen per Hand (Gegensatz zum Setzen von Drucklettern) hin zur Entwicklung eines individuellen & unikalen Gesamtbildes. Historisch meint Lettering, das Setzen von Lettern im Buchdruck. Im heutigen Sinn meint es eher das Gestalten und Zeichnen von Schriftarten, -größen und -stilen je nach Anwendung und Gebrauch.

Weitere Begriffe:

  • Typografie: Meint eigentlich das Setzen von Buchstaben für den Druck. Früher war es der Bleisatz, beim Computer ist es der Schriftsatz. Zur Typografie gehören unter anderem die Schriftart, Schriftgröße, Zeilenabstand.
  • Schriftschnitt: Der Begriff stammt aus der Typografie und dient der Klassifizierung von Schriftarten. Eine Schriftart besteht aus einem oder mehreren Schriftschnitten, wie: fett, dünn, breit, schmal, kursiv, kalligrafisch, etc.
  • Kalligrafie: Kalligrafie ist nicht gleich Handlettering, aber Elemente der Kalligrafie lassen sich im Handlettering wiederfinden bzw. miteinander kombinieren. Kalligrafie meint das „Schönschreiben“ und wird meist mit Schreibfeder oder Pinsel ausgeführt.
  • Serifen und Punzen: Serifen sind die kleinen, häkchenartigen Enden an Buchstaben. Punzen sind die offenen oder geschlossenen Innenflächen von Buchstaben.
  • Ligaturen: sind 2 bis 3 Buchstaben, die miteinander verschmelzen, wie z.B. ein gemeinsamer T-Strich eines Doppel-Ts.
  • Ober- und Unterlänge: Sind die Bereiche, in denen Buchstaben oberhalb oder unterhalb der Mittellänge enden.
  • Grundlinie: Ist die Linie, auf denen alle Buchstaben beginnen.

Materialliste:

  • verschiedene Stifte unterschiedlichen Farben (Brushpen, Kalligrafiestifte, Fineliner, etc.)
  • (Geübte können es auch mit Tuschkasten/ Aquarellkasten und Pinsel versuchen)
  • einfaches Papier zum Üben + verschiedenes Papier für den finalen Entwurf
  • Lineal oder Geodreieck für Hilfslinien und Vorzeichnung
  • Bleistift (nicht zu weich 2 ½ HB oder härter)   

Techniken:

Die wohl markanteste Komponente des Handletterings ist das Brushlettering. Dabei verwendest du zum Lettern einen Brushpen oder einen Pinsel. (Achtung: Teste vorher wie das Papier auf den Stift bzw. die doch sehr wässerige Farbe des Pinsels reagiert, es kann sein, dass sich das Papier schnell vollsaugt oder wellt). Eine Technik, um das Brushlettering und den charakteristischen Schwung der Schrift zu imitieren, ist die „Faux Calligraphy“. Sie ermöglicht dir, die charakteristischen Strichstärkenkontraste des Brushletterings mit einem beliebigen Stift nachzuahmen.  Es gibt mittlerweile zahlreiche verschiedene Handlettering-Formen, wie z. B. das sogenannte „Bounce Lettering“, bei dem die Buchstaben zu hüpfen scheinen, oder auch das „Ribbonlettering“, das „Ropelettering“ oder auch das „3D-Lettering“. Für welche Form man sich entscheidet bleibt jedem selber überlassen und orientiert sich oft an persönlichen Vorlieben oder dem Anlass bzw. der Verwendung des Schriftzuges.

Schritte zum Erstellen eines Handlettering- Schriftzuges:

  1. Aufwärmen und üben, üben, üben: Jede neue Schrift und auch jedes neue Schreibmittel (Fineliner, Brushpen, Pinsel, Feder) benötigen immer wieder, dass man sich mit sich damit vertraut macht und auf einem Schmierpapier übt. Zudem verhalten sich die unterschiedlichen Schreibmittel, vor allem auch die Aquarellfarbe oder Tusche, auf verschiedenen Papieren sehr unterschiedlich. Durch das Üben wird zudem der Schreibfluss leichter und flüssiger, sodass man weniger absetzen muss und es ein einheitlicheres Gesamtbild ergibt.

2. Entwicklung des Schriftzuges: Vorzeichnen und Durchpausen

Ideen für verschiedenste Schriftarten und Sprüche bekommt man im Internet oder man hält im Alltag die Augen offen. Zur Hilfe kann man die Vorlage in schwarz ausdrucken und sie zum Durchpausen nutzen (zum Beispiel mit einem Lightpad - ein Fenster tut es allerdings oft auch). Mehr Spaß macht es und es bekommt eine persönlichere Note, wenn man es komplett allein macht. Zur Hilfe kann man sich Orientierungslinien mit dem Bleistift einzeichnen, damit die Größe und Breite des Schriftzuges besser eigehalten werden kann.

Tipp: Man kann Größe der Schrift/Buchstaben variieren und auch verschiedene Schriftarten kombinieren. Jedoch sollte man es auch nicht übertreiben, sodass der Schriftzug noch als zusammengehöriges Werk erkennbar bleibt.

3. Ideen und Inspirationen:

Wenn man sich sicher ist was, in welcher Schrift und mit welchen Schreibmittel man das Handlettering machen möchte, gibt es noch weitere Möglichkeiten, um den Schriftzug zu individualisieren, auszuschmücken, dekorieren und zu verzieren. Hier sind der persönlichen Kreativität keine Grenzen gesetzt. Allerdings bietet es sich an, einmal Mut zum Ausprobieren, Mut zum Besonderen, Mut zum Ungewöhnlichen zu haben. Dies kann ein ungewöhnliches Format des Papiers, knallige Farbkombinationen und irritierende Worttrennungen zugunsten der Form oder auch das Ersetzen von Buchstaben durch kleine Piktogramme sein.

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Kategorie: Selbstgemachtes