#femalefriday: Interview mit Katrina Biedenbender

12.03.2021 Sara Hirschmüller

Autorin: Sara Hirschmüller (stud. Volontärin Kunstvermittlung)

Teil des #femalefriday auf unserem Instagram-Kanal ist der Kurzfilm Frauen in der Kunst der Animatorin und Illustratorin Katrina Biedenbender. In den Vorbereitungen haben wir uns via Zoom zu einem Interview getroffen, um über ihr Projekt, ihre Intention und die Wichtigkeit eines Fokus auf Künstlerinnen zu sprechen.

 

Wie würdest du dein Projekt beschreiben?

Katrina Biedenbender: Es geht vor allem darum, dass die meisten Menschen nicht wissen, dass es durchaus Künstlerinnen gab. Ich möchte den Zuschauer:innen dieses Thema näherbringen und gleichzeitig möchte ich die Geschichten der Künstlerinnen vermitteln. Daher habe ich diesen Film gemacht.

Was war der Ursprung deiner Idee?

Ich gehe sehr gerne in Kunstmuseen und dabei ist mir irgendwann aufgefallen, dass zwar überall Frauen auf den Gemälden zu sehen sind, aber meistens wurden diese von Männern gefertigt. In Gesprächen mit anderen wurde deutlich, dass viele einfach glauben, dass Frauen in der Vergangenheit keine Künstlerinnen sein durften und dass sie sich um ihre Kinder kümmern mussten. Erstmal ging ich davon aus, dass das wohl die Erklärung sein musste. Aber irgendwann habe ich ein Buch über das Thema gelesen und mich näher damit beschäftigt. Es wurden so viele Geschichten von Künstlerinnen erzählt. Da wurde mir klar, dass es eine Wissenslücke in der Gesellschaft zu geben scheint, was die Existenz von Frauen in der Kunst angeht. Dadurch entstand die Idee für den Film. Ich habe ungefähr fünf Monate, größtenteils von zu Hause, daran gearbeitet.

Was ist deine Intention?

Ich möchte das Thema „Frauen in der Kunst“ vermitteln, mit den Mythen, die ich ja gerade schon beschrieben habe, aufräumen und auch die Geschichten von Künstlerinnen erzählen. Wenn Leute den Film schauen und am Ende immer noch keine Künstlerin kennen würden, dann hätte ich ja nichts erreicht.

Screenshot: Frauen in der Kunst / Katrina Biebenbender

Warum ist der Fokus auf Künstlerinnen auch gerade heute so wichtig?

Viele Ausstellungen, die ihren Fokus auf Künstlerinnen legen, konzentrieren sich dann häufig nur auf ein Beispiel, z.B. die „Artemisia Gentileschi“-Ausstellung in London. Das ist ein Problem, das sich durch die Kunstgeschichte durchzieht. Wenn eine Frau berühmt wurde, dann galt sie als Einzelfall und Besonderheit. Die eine besondere Frau, die es dann doch konnte. Ich möchte den Fokus darauf lenken, dass es eben nicht Einzeltalente waren, sondern es doch viele waren, die es auch durchaus an Kunstakademien geschafft haben. Also die Wahrnehmung auf die Masse der Künstlerinnnen neu positionieren. Dieser Fokus ist auch heute noch wichtig.

Inwieweit können Projekte wie deines den Blick auch auf Weiblichkeit in der von Männern geschaffenen Kunst ändern?

Es ändert vor allem die Wahrnehmung. Dass Frauen nicht nur die nackten Musen auf den Gemälden sind, sondern eben auch Kunstschaffende. Frauen haben sich auch selbst dargestellt, z. B. Artemisia Gentileschi, und wurden eben nicht nur von Männern gemalt. Das Buch, das mich inspiriert hat, war auch ein Buch über Selbstportraits von Frauen. Ich finde, es ist wichtig herauszustellen, dass Frauen sich auch selbst darstellen können und nicht nur dargestellt werden.

Ausstellungen, die sich nur Künstlerinnen widmen und dieses Thema aufarbeiten, sind ein erster Schritt in die richtige Richtung. Wo gibt es aber noch immer Nachholbedarf?

Ich fände es vor allem wichtig, dass Museen darauf eingehen, warum sie wenige Gemälde von Frauen zeigen. Mir ist schon öfter aufgefallen, dass es selten eine Stellungnahme dazu gibt. Selbst wenn ich auf den Websites geschaut habe, gab es keine Informationen. In anderen Museen wiederum gab es Wandtexte zu den Werken von Künstlerinnen, wo dann genau darauf eingegangen wird, warum es jetzt nur dieses eine Werk von der einen Künstlerin gibt.

Wie hat die Kunstgeschichte dazu beigetragen?

Die Kunstgeschichte wurde von Männern gemacht, die den Fokus auf Männer gelegt haben. Künstlerinnen galten dann als Einzeltalente und wurden als nicht so wichtig erachtet. Dadurch ist über die Zeit ihre Repräsentation in der Kunstgeschichte verloren gegangen.

Was muss sich in den Ausstellungen ändern?

Das find ich total schwierig. Natürlich könnte man einfach mehr Werke von Künstlerinnen in die Ausstellung bringen, aber dann müsste es auch eine gute Aufklärung dazu geben, warum das passiert. Nicht dass der Eindruck entsteht, dass den Männern der Platz weggenommen wird. Man müsste es sehr gut kommunizieren, warum dieser Wandel stattfindet. Auch für die Leute, die nicht ins Museum gehen. Das Problem ist ja schließlich auch, dass, wenn die Werke von Künstlerinnen aufgehängt werden, die von Künstlern weichen müssen. Im Internet ist Platz für alle, aber in Museen ist dieser Platz begrenzt.

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Kategorie: #femalefriday