Selbstgemachtes: Tag der Druckkunst

15.03.2021 Sara Hirschmüller

Autorin: Jenny Volkmer (Mitarbeiterin Kunstvermittlung)

Heute, am 15.3., ist der Tag der Druckkunst oder der Druckgraphik. Heutzutage haben die meisten von uns einen Tintenstrahl- oder Laserdrucker zu Hause und ein Copyshop ist auch nicht weit entfernt. Durch die technischen und digitalen Entwicklungen ist das „Ausdrucken“, also die Vervielfältigung oder Produktion von digitalen Druckerzeugnissen, fester Bestandteil unseres privaten und vor allem beruflichen Alltags.

Ursprünglich bezeichnet die Druckgraphik jedoch alle nicht handzeichnerischen, drucktechnischen Verfahren. Diese sind grundlegend in fünf verschiedene Verfahren zu unterscheiden: den Hochdruck (Holz- und Linolschnitt), den Tiefdruck (Ätz- oder Kaltnadelradierung), den Flachdruck (Lithographie oder Alugraphie), den Transferdruck und den Durchdruck (Siebdruck) sowie den modernen Digitaldruck. Jedoch gibt es zahlreiche Variationen innerhalb der verschiedenen Drucktechniken und auch Kombinationen aus verschiedenen Druckverfahren sind möglich. So wird zum Beispiel die Ätzradierung und die Aquatintatechnik oft und gerne miteinander kombiniert oder auch der Wahl des „Stempel“- Materials im Hochdruck sind kaum Grenzen gesetzt.

Historisch gesehen, entsteht um 1400 der sogenannte Einblatt-Holzschnitt. Dies war unter anderem durch den wachsenden Bedarf an Andachtsbildern bedingt. Kurze Zeit später, ebenfalls im 15. Jahrhundert, entstehen dann zudem verschiedene Tiefdrucktechniken. Das früheste Blatt eines Kupferstiches ist auf das Jahr 1446 und die früheste Radierung auf das Jahr 1513 datiert. Später dann, ab der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts, entstehen die neben der Ätzradierung neuen chemo-technischen Druckverfahren: die Aquatintaradierung und die Lithografie. Alois Sennefelder entwickelt 1803 mit der Lithografie zudem das erste Flachdruckverfahren, welches vor allem von Plakatzeichnern und Karikaturisten im Zeitungs- und Werbedruck verwendet wurde. Die Veränderungen in der Druckgraphik hin zu unserer heutigen modernen Medienwelt begann in den Jahren nach 1950 mit der Professionalisierung der Werbung und der Ausbreitung in Magazinen und Zeitschriften sowie in den 1980ern mit dem Aufkommen von Computern und dem Beginn der Digitalisierung.

Alle druckgraphischen Techniken haben den Vorteil zu Handzeichnung, Handschrift oder Malerei, dass man kostengünstiger, effektiver und zudem in erhöhter Stückzahl produzieren kann. Daher hängen die Entwicklungen der verschiedenen Drucktechniken oft mit Artverwandten Entwicklungen wie der Vermehrung der Papierherstellung, der Ausbreitung des Buchhandels und der Presseerzeugnisse wie Zeitungen und Flugblättern zusammen.

Zur Zeit der jeweiligen Erfindung einer speziellen Druckgraphik war diese eigentlich nicht für den künstlerischen Gebrauch gedacht. So wurde die Lithografie vor allem im 19. Jahrhundert für Werbeanzeigen und Zeitungen gebraucht. Allerdings begannen Künstler unmittelbar nach Aufkommen der jeweiligen Drucktechnik, diese für ihr künstlerisches Schaffen zu nutzen. Hier sind zum Beispiel die Holz- und Kupferstiche von Albrecht Dürer, Radierungen von Rembrandt van Rijn, die Aquatintaradierungen von Francisco de Goya, die Lithografien von Edvard Munch oder die Siebdrucke von Andy Warhol zu nennen.

Im Folgenden gibt es nun eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für eine Form von Transferdruckverfahren, die sich die speziellen Eigenschaften von modernen Laserkopien zunutzen macht. Es handelt sich hierbei um die „Papyrographie“, sie kombiniert Eigenschaften der Nitro- oder Lavendelfrottage sowie klassischer Techniken wie des Hochdrucks oder der Lithographie. Bei der Papyrographie wird das Motiv eines Fotos nach Vorbereitung des Papiers mit Gummi Arabicum, Wasser und den Auftrag von Farbe übertragen. Anders als bei der Nitrofrottage wird die Farbe des „Ausdruckes“ nicht aus dem Papier herausgelöst, sondern durch den Auftrag von Gummi Arabicum bleibt die danach aufgebrachte Farbe nur an den Stellen haften, wo sich die Farbe des ausgedruckten Motivs befindet. Dies liegt daran, dass das Gummi Arabicum von den laserbedruckten Partien abgestoßen wird und sich nur über die unbedruckten Partien legt.

Das Schöne hierbei ist zudem, dass das Material im Baumarkt und im Laden für Kunstbedarf zu bekommen ist, man keine Druckpresse benötigt und trotzdem die besondere Optik der Druckgraphik erhält.

Materialliste:

  • Laserausdrucke (ob in Farbe oder Schwarz-Weiß, ist egal. Ich nehme 120g-Papier, da es schön stabil ist, normales 80g-Druckerpapier geht aber auch) + ein paar Bögen weißes Papier extra
  • Gummi Arabicum bzw. Argum-O (es sollte ein flüssiger Neutralgummi sein, den gibt es im Fachgeschäft von vers. Unternehmen)
  • Offsetfarbe bzw. Ölfarben (WICHTIG: die Farben dürfen NICHT wasserlöslich sein, Offsetfarbe funktioniert am besten)
  • eine Lackierrolle/ Schaumstoffrolle extrafein
  • einen weichen Schwamm und Wasser
  • Glasplatte oder Steinplatte (zum Aufragen und Auswalzen der Offsetfarbe, ich nutze die Glasscheibe eines Bilderrahmens, je schwerer die Platte, desto weniger verrutscht diese beim Einwalzen und Ausrollen der Farbe und der Farbwalze)
  • Papier für den Transferdruck (Büttenpapier, Aquarellpapier oder Papier für Mischtechniken mit höherer Grammatur ca. 240–320 Gramm)
  • Falzbein oder Löffel (eine Druckpresse haben die meisten wahrscheinlich nicht zu Hause, geht aber natürlich auch)

Anleitung:

1. Sucht euch ein Motiv aus und druckt es über einen Laserdrucker aus.

Tipps:  Hohe Kontraste, klare Konturen oder extra rauschig-verpixelte Bilder eignen sich besonders gut, da an den weißen Flächen das später aufgetragene Gummi Arabicum gut haften kann

2. Feuchtet das Bütten-, Aquarellpapier oder das Papier für Mischtechniken an. Legt es in eine Plastiktüte, damit die Feuchtigkeit ins Papier ziehen kann. (Die Druckqualität wird kräftiger und besser, wenn das Papier feucht ist.)

3. Rollt die Offset- oder Ölfarbe auf der Glasplatte mit der Lackierrolle gleichmäßig aus.

4. Reibt eine teelöffelgroße Menge Gummi Arabicum mit der Hand auf das ausgedruckte Motiv, so dass das gesamte Papier mit Gummi Arabicum eingerieben ist.

5. Feuchtet das mit Gummi Arabicum eingeriebene Papier mit Wasser & dem Schwamm gleichmäßig an.

6. Walzt das feuchte Papier mit dem Motiv gleichmäßig ein. Über jede Stelle muss ca. 10–15-mal gewalzt werden (hoch und runter gleich 1x Einwalzen. Walzt nicht nur von oben nach unten, sondern auch von rechts nach links)

Vorsicht: Nicht zu viel Druck beim Einwalzen, sonst zerreißt das feuchte Papier schnell.

7. Holt das Bütten- oder Aquarellpapier aus der Plastiktüte, legt es auf eine saubere, glatte Fläche und platziert das eingewalzte Papier mit dem Motiv darauf.

8. Legt einen Bogen weißes Papier über die Papiere und reibt mit dem Falzbein oder dem Löffel gleichmäßig ab.

9. Anschließend könnt ihr das Papier mit dem Motiv langsam vom Bütten- oder Aquarellpapier abziehen.

10. Legt den fertigen Papyrografie-Druck zwischen zwei weiße Papiere und beschwert es 2–3 Tage mit schweren Büchern, damit glättet ihr den fertigen Druck und er trocknet langsam wieder durch.

Viel Spaß beim Ausprobieren und nicht verzweifeln, wenn es beim ersten Mal nicht direkt funktioniert. Man bekommt bei jedem neuen Druckvorgang ein besseres Gespür und Gefühl für den optimalen Farbauftrag, Druck oder Geschwindigkeit beim Einwalzen.

Abschließend möchte ich mich noch bei der Künstlerin Jette Flügge bedanken, die mir diese wundervolle neue Technik gezeigt hat. Falls ihr mal schauen wollt, was Jette so mit der Papyrographie macht, schaut einfach auf ihrer Homepage vorbei: https://jette-fluegge.de/indigo-dunkel-2/

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Kategorie: Selbstgemachtes